Erste Hürden zur Approbation erfolgreich genommen

Drei ausländische Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein-Westfalen bestehen erfolgreich die Fachsprachprüfung

Masoun Hanna

Der 18. Mai 2018 wird Masoun Hanna immer in schöner Erinnerung bleiben. An diesem Freitag machte sich der Arzt, der vor fünf Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen ist, auf den Weg von Essen nach Münster, um seine Fachsprachprüfung abzulegen. Bereits zum dritten Mal. Dieses Mal mit Erfolg. Mit Hilfe der Freiburg International Academy (FIA) hat Hanna die Prüfung bestanden.

Der heute 60-Jährige ist 2013 ohne seine Familie von seiner Heimatstadt Al-Hasaka nach Düsseldorf gekommen. Keine leichte Entscheidung. In Al-Hasaka lebt seine Familie, praktizierte der Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde seit 27 Jahren in seiner eigenen Praxis, er hatte seine Angestellten, Patienten, die ihm seit Jahren vertrauten und er operierte selbstverständlich auch selbst. In Deutschland muss er noch einmal ganz von vorne anfangen: eine neue Sprache und Schrift lernen, Kontakte knüpfen und – was für den leidenschaftlichen Arzt am schlimmsten ist – er darf noch nicht arbeiten. Das aber ist sein großer Traum, weshalb er beinahe alles auf sich nimmt.

Nach seiner Ankunft in Düsseldorf wurde Hanna in ein Asylheim nach Gießen gebracht, wo er sich sofort bei der Uniklinik um eine Praktikumsstelle bemüht hat. Obwohl der Arzt damals nur Englisch sprach, durfte er dort ein Praktikum absolvieren. Vier Monate ging Hanna jeden Vormittag in die Klink, begleitete die Stationsärzte auf Visite, schaute bei Behandlungen zu und war bei Patientengesprächen dabei. Nachmittags drückte er die Schulbank, um Deutsch zu lernen. Nach seinem Umzug nach Essen, seine Frau und seine drei Kinder waren mittlerweile nachgekommen, arbeitete er weitere drei Monate als Praktikant in zwei Arztpraxen. Seine Deutschkenntnisse haben sich während dieser Zeit sehr verbessert. Dennoch wollte Hanna sich auf die zur Approbationserteilung erforderliche Fachsprachprüfung gezielt vorbereiten, weshalb er von Juni bis August 2016 bei einem Institut einen Intensivkurs für medizinische Fachsprache besuchte. Jeden Tag ist der motivierte Arzt von seinem Wohnort Essen zu dem Kurs in die circa 140 Kilometer entfernte Stadt gefahren. Gemeinsam mit sieben weiteren ausländischen Ärztinnen und Ärzte wurde Hanna in dem Qualifizierungsangebot auf die Prüfung vorbereitet. Das Ergebnis war allerdings nicht das gewünschte: Er hat die Prüfung, die im Januar 2017 an der Ärztekammer Westfalen-Lippe in Münster abgenommen wurde, nicht bestanden. Ein Jahr später wagte er einen zweiten Versuch, wieder in Münster. Doch dieses Mal ohne Vorbereitungskurs. Daher war er wenig überrascht, erneut durchgefallen zu sein. Von seinem Vorhaben, in Deutschland arbeiten zu wollen, hat ihn das jedoch nicht abgehalten. Für ihn stand nun aber fest: Beim dritten Anlauf muss es klappen.

Von einigen seiner Freunde hatte er gehört, dass die FIA ihre Teilnehmenden optimal auf die Fachsprachprüfung vorbereitet, jeder das geforderte C1-Sprachniveau erreicht und daher die Erfolgsquote sehr hoch ist. Das hat Hanna überzeugt und so hat er von Januar bis März 2018 den Vorbereitungskurs der FIA auf die Fachsprachprüfung in Essen besucht. Mit Hilfe von Schauspielerinnen und -spielern wurden Arzt-Patienten-Gespräche nachgestellt, täglich musste eine oder einer aus dem Kurs ein Referat über eine Krankheit halten, welches anschließend mit der Gruppe und der Lehrkraft besprochen wurde, Prüfungssituationen wurden simuliert und Hausaufgaben verteilt. Für die Nachbearbeitung und Wiederholung des Unterrichts stand Hanna und allen anderen Teilnehmenden rund um die Uhr das E-Learning (ILIAS) zur Verfügung. „Der individualisierte Unterricht hat mir besonders gefallen“, sagt Hanna, „alle Dozentinnen und Dozenten gingen auf jeden Schüler einzeln ein. Ich fühlte mich von Anfang an in guten Händen.“

Am Tag der Prüfung ist der syrische Arzt daher zuversichtlich nach Münster gefahren – obwohl er schon zwei Mal nicht bestanden hat und Nordrhein-Westfalen zudem als schwierigstes Bundesland in Bezug auf die Fachsprachprüfung gilt. „Ich wusste, dass ich sowohl fachsprachlich als auch fachpraktisch bestens präpariert bin“, erinnert sich Hanna an jenen Tag vor drei Monaten zurück. Ohne Schwierigkeiten konnte er bei seinem dritten Versuch alle Fragen beantworten und bestand die Prüfung erfolgreich. Für den Familienvater ein wichtiger Schritt Richtung uneingeschränkter sowie unbefristeter Berufserlaubnis. Derart motiviert bereitet er sich derzeit in einem ebenfalls dreimonatigen Kurs bei der FIA auf die Kenntnisprüfung vor: „Die FIA bietet mir alle Unterstützung, die ich brauche. Daher werde ich für die nächste Prüfung sicher keine drei Versuche brauchen.“


Manel Ahmed

Auch die junge Ärztin Manel Ahmed hat im zweiten Anlauf ihre Fachsprachprüfung in Münster mit Hilfe der FIA bestanden. Seit Oktober 2017 lebt die aus Tunesien stammende Frau in Deutschland. Für sie stand schon während des Studiums fest, dass sie in Deutschland arbeiten möchte: „Hier habe ich als Ärztin viel mehr Möglichkeiten und kann zum Beispiel meine Fachrichtung selbst wählen.“ Studiert hat die 28-jährige Frau an der Université de Monastir, ihr angestrebtes Fachgebiet ist die Innere Medizin mit Schwerpunkt auf Gastroenterologie. Vor allem deshalb hat Ahmed vor knapp einem Jahr ihr Heimatland verlassen. „Ich möchte das tun, was ich will“, so die zielstrebige Ärztin. Dafür hat sie bereits in Tunesien die deutsche Sprache auf B1-Neveau gelernt. In Nordrhein-Westfalen, ihrer Wahlheimat, brachte sie ihre Deutschkenntnisse in einem Kurs der FIA auf C1-Niveau. „Ich fühlte mich super auf die Prüfung vorbeireitet und wusste dank des Kurses, in welchem die Prüfungssituation immer wieder simuliert wurde, was mich bei der echten Prüfung erwartet“, sagt Ahmed. Knapp einem Monat nach Kursende, im April dieses Jahres, stellte sich Ahmed der Prüfungskommission. Doch aufgrund einer falsch verstandenen Zahl hat sie die Prüfung nicht bestanden. „Das war ein tödlicher Fehler, der mir nicht hätte unterlaufen dürfen“, reflektiert die junge Ärztin ganz nüchtern. Bei ihrem zweiten Versuch im Juli 2018 war sie sowohl im schriftlichen wie auch im mündlichen Teil erfolgreich, sodass sie sich nun in einem weiteren FIA-Kurs in Essen auf die Kenntnisprüfung vorbereiten kann.


Jasem Al Oraib

Jasem Al Oraib besucht momentan ebenfalls das Repetitorium der FIA in Essen, um sich auf die Kenntnisprüfung in NRW vorzubereiten. Gleich nach Bestehen der Fachsprachprüfung, die er Anfang Juli 2018 in Westfahlen-Lippe (NRW) absolviert hat, drückt er nun erneut die Schulbank. Der syrische Arzt hat drei Monate auf die Fachsprachprüfung bei der FIA gelernt: „Das Unterrichtsniveau war hoch und wir mussten beinahe jeden Tag ein Referat halten, doch dadurch habe ich mich perfekt für die Prüfung vorbereitet gefühlt“. Vor drei Jahren ist Oraib aus Syrien nach Deutschland gekommen. Damals war er 33 Jahre alt, hatte gerade seinen Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe abgelegt, eine Stelle im Krankenhaus des Gesundheitsministeriums Deirazzor und eine Dozentenstelle an der Al-Furat Universität. Doch als die Lage sich in seinem Heimatland immer mehr verschlimmerte, entschied sich der leidenschaftliche Arzt nach Deutschland zu gehen. Für sein Ziel, so schnell wie möglich eine Zulassung zu bekommen, um seiner Berufung als Arzt nachgehen zu können, hat er sich bei der FIA angemeldet. „Mit dem Erfolg, den ich mir versprochen habe“, so Oraib. Der individualisierte Unterricht mit Schauspielpatienten sowie die Kombination aus Allgemeinsprache und Fachsprache hat dafür gesorgt, dass Oraib die Fachsprachprüfung auf Anhieb bestanden hat, was in Nordrhein-Westfalen doppelt wiegt. Bis September nimmt der 36-Jährige noch an dem FIA-Vorbereitungskurs auf die Kenntnisprüfung teil. Er hofft, dass der Prüfungstermin anschließend nicht so lange auf sich warten lässt: „Ich möchte bald wieder richtig arbeiten dürfen“. Eine Zusage für eine Assistenzstelle an der LWL-Klink Hemer hat er bereits jetzt schon. Ab Oktober kann er dort anfangen. „Ein Erfolg für mich, den ich zu großen Teilen der FIA zu verdanken habe“, sagt der syrische Arzt.

Text: Barbara Meyer