„Das Warten hat sich gelohnt“

Mit Hilfe der FIA hat die Zahnärztin Amna Dzebo die Kenntnisprüfung zur Erlangen der deutschen Approbation erhalten


Amna Dzebo hat gut lachen: Mit Fleiß und viel Übung am Phantomkopf im medizinischen Schulungsraum der FIA hat sie die Kenntnisprüfung zur Erlangung der Approbation bestanden.

Eigentlich sollte es nur ein kurzer Besuch werden, doch nun steht Amna Dzebo bereits eine halbe Stunde im Zahnlabor der Freiburg International Academy (FIA) umringt von fünfzehn Kursteilnehmern, die sich allesamt auf die Kenntnisprüfung zur Erlangung der deutschen Approbation vorbereiten, und beantwortet deren Fragen geduldig. Die junge Frau hat geschafft, was die ausländischen Zahnärzte anstreben: Ihre Approbation wurde anerkannt. Seit Februar dieses Jahres hat die Bosnierin die staatliche Zulassung zur Berufsausübung als Zahnärztin.

Vor einem halben Jahr stand Amna Dzebo selbst unmittelbar vor der Kenntnisprüfung. Deren erfolgreiche Teilnahme ist neben dem Nachweis verschiedener Dokumente sowie dem Bestehen der Sprach- und Fachsprachprüfung Voraussetzung für die Approbationserteilung. Für die junge Frau die letzte Hürde nach einem langen Weg, um in Deutschland endgültig als Zahnärztin anerkannt zu sein. „Ich kann Euch nur raten, nehmt die Übungen und die Tipps, die ihr hier bekommt ernst“, beinahe klingt es wie ein Appel, den Amna Dzebo an die Gruppe richtet, „ohne sie hätte ich die Prüfung vermutlich nicht geschafft.“ Denn, fügt sie hinzu, es reiche nicht aus, nur die gestellten Aufgaben gut zu erledigen. Für das Bestehen der Prüfung sind sauberes Arbeiten, strukturierte Bewegungsabläufe sowie eine ergonomische Körperhaltung ebenso von Bedeutung, und genau das habe sie in diesem Kurs gelernt. Ein Hinweis, den Michael Dörr gerne hört. Der 45-jährige Zahnarzt ist seit 2016 Zahnmedizinischer Leiter der FIA und weiß, wie wichtig nicht nur gute Leistungen, sondern auch das gesamte Auftreten bei der Prüfung ist. Insgesamt dauert der zahnmedizinische Kurs zwölf Wochen, zwei davon umfassen den rein praktischen Teil und finden in dem 2017 neu eingerichteten Zahnmedizinischen Schulungsraum statt. Das hightech Schulungszentrum der FIA ist im Südwesten Deutschlands einmalig. An insgesamt 15 Simulationseinheiten finden die Kursteilnehmenden Bedingungen wie in einer echten Praxis vor. Einziger Unterschied: Anstatt echter Patienten müssen Phantomköpfe ihren Mund weit aufmachen. Optimale Voraussetzungen also, um sich für den praktischen Teil der Kenntnisprüfung vorzubereiten. „Doch die beste Ausstattung hilft nichts, wenn der Kursteilnehmende nicht 100 Prozent mitmacht“, weiß Michael Dörr. Zusammen mit insgesamt sieben Kollegen betreut er mit großer Begeisterung die Kurse. Seine ständige Motivation ist, innerhalb der kurzen Zeit die wichtigsten Lerninhalte für die Prüfung den Teilnehmenden zu vermitteln. „Jedoch darf nicht der Eindruck entstehen, wer hier den Kurs durchläuft schafft die Prüfung sicher“, betont Michael Dörr eindringlich, „unser Unterricht ist auf einem sehr hohen Niveau und fordert jeden, der hier mitmacht, ganz gleich, ob er in seinem Heimatland bereits mehrere Jahre praktiziert hat, oder direkt von der Uni zu uns nach Deutschland kommt.“ Und so wird der Leiter auch nicht müde, immer wieder auf scheinbare Kleinigkeiten hinzuweisen.

So eine „Kleinigkeit“ ist Amna Dzebo besonders im Ohr geblieben: „,Vergess‘ nicht, immer palatinal sauber zu arbeiten!´ Daran denke ich seither bei jeder Oberkieferzahnbehandlung“. Die Umstehenden lachen. Michael Dörr nickt dankend in Richtung Amna Dzebo. Er erinnert sich noch sehr gut an seine ehemalige Schülerin. Sie war eine der ersten, die sich in dem Zahnmedizinischen Schulungszentrum auf die Kenntnisprüfung vorbereitet hat.

Seit sie als junges Mädchen geträumt hatte, sie sei Zahnärztin, stand ihr Berufswunsch fest und mindestens genauso lange verfolgt sie dieses Ziel konsequent. Dass sie diesen Beruf in Deutschland ausüben wird, war damals allerdings nicht abzusehen. Obwohl sie bereits als dreijähriges Mädchen nach Deutschland gekommen ist. Das war 1992 als in ihrem Heimatland Bosnien-Herzegowina der Krieg ausbrach. Zusammen mit ihren Eltern und ihren beiden Brüdern fand sie nahe München ein neues Zuhause. Sie lernte die deutsche Sprache, besuchte zunächst den Kindergarten und anschließend die Grundschule, Freundschaften wurden geschlossen und eigentlich dachte das kleine Mädchen, sie würden in Deutschland bleiben. Doch als der Bosnienkrieg beendet war, musste die Familie wieder zurück. „Das war für mich und meinen älteren Bruder ganz schrecklich“, erinnert sich Amna Dzebo, die damals in die vierte Klasse ging, „wir haben nur geweint.“ Da ihr Elternhaus in Livno im Krieg nicht zerstört wurde, kehrte die Familie dorthin zurück. Bis zur achten Klasse besuchte sie die hiesige Schule, dann wechselte der Teenager auf ein Islamisches Gymnasium in Sarajewo: „Das fand mein Vater nicht so gut, aber ich hatte mir das in den Kopf gesetzt und konnte ihn letztendlich überzeugen.“ Ebenso wie ihre Entscheidung, Zahnmedizin zu studieren. Damit hat sie in ihrer Familie ebenfalls für Verwunderung gesorgt, denn hier war es üblich entweder Jura oder Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Für die junge Frau stand jedoch fest, es muss Zahnmedizin sein und so studierte Amna Dzebo von 2008 bis 2014 an der Universität in Sarajevo. Während dieser sechs Jahre lernte sie ihren späteren Mann kennen, bekam ein Kind und schrieb ihre Doktorarbeit zum Thema Mundschleimhauterkrankungen (oralis mucosal morbis membranam). „Das war eine turbulente Zeit“, sagt sie rückblickend, „noch dazu, weil mein Mann während meines letzten Studienjahrs berufsbedingt nach Deutschland zog und ich mit unserer kleinen Tochter alleine war.“ Kaum hatte Amna Dzebo ihr Studium sowie ihre Doktorarbeit erfolgreich abgeschlossen, folgte sie und ihr Kind ihrem Mann, der im baden-württembergischen Ulm arbeitete. Für die junge Frau war klar: „Ich will hier als Zahnärztin arbeiten“. Das erste Jahr in Deutschland war dann ein Jahr der Informationen: Was muss man machen, damit man in Deutschland arbeiten darf? Wohin muss man sich wenden? Woher bekommt man die nötigen Unterlagen? Und dann war da ja auch noch die Sache mit der Sprache. Da Amna Dzebo jedoch ihre Kindheit in Bayern verbrachte, war ihr die deutsche Sprache nicht fremd, zudem hielt sie auch von Sarajewo aus Kontakt zu einigen Verwandten und Freunde die in Deutschland leben. Um jedoch die Berufserlaubnis zu bekommen, ist ein Sprachnachweis von Nöten, weshalb die Zahnärztin zuerst die B2-Prüfung und anschließend die C1-Prüfung absolvierte. Für die Fachsprachprüfung wollte die junge Frau bestmöglich vorbereitet sein. Auf ihrer Suche nach geeigneten Vorbereitungskursen wurde ihr die FIA empfohlen. Das Problem war allerdings, dass die FIA 2015 nur Vorbereitungskurse für Allgemeinmedizin nicht aber für Zahnmedizin anbot. Vom Konzept des Kommunikations- und Integrationskurs der Academy begeistert, entschloss sich die junge Frau, sich im Kurs der Allgemeinmediziner auf ihre Fachsprachprüfung vorzubereiten, zumal ihr zugesichert wurde, dass auch auf zahnmedizinische Begrifflichkeiten eingegangen werden soll. Kurz vor Kursbeginn bekam Amna Dzebo von der FIA aber die Nachricht, dass es bald einen Kurs eigens für Zahnärzte geben soll. „Das war für mich natürlich ein Glücksfall, auch wenn ich noch einmal ein knappes Viertel Jahr warten musste, bis es endlich losging“, so die Zahnärztin. Aber das hat sich gelohnt, sagt sie im Nachhinein, „hier habe ich alles gelernt, was in deutschen Zahnarztpraxen wichtig ist“.

Im Mai 2016 hat sie die Fachsprachprüfung erfolgreich bestanden. Im Sommer hospitierte sie in ihrer Heimatstadt Ulm in der Zahnarztpraxis von Dr. Jochen Mellinghoff. Dort bekam sie im Dezember auch einen Vertrag. Die Arbeit in der Praxis bereitet Amna Dzebo viel Freude und sie bekommt auch Anerkennung durch ihren Chef, dennoch war ihr Ziel, die deutsche Approbation zu erhalten, noch nicht erreicht: „Wenn Du Zahnärztin bist, jedoch keine Approbation hast, darfst Du schwierige Behandlungen nicht alleine durchführen. Du stehst immer unter Beobachtung vom Chef.“ Immer wieder hat Amna Dzebo Kontakt mit dem Regierungspräsidium Stuttgart aufgenommen, um nachzufragen, wann sie einen Termin für die Kenntnisprüfung, die aus einem praktischen und einem mündlichen Teil besteht, bekommt. Im November 2017 war es dann endlich soweit, sie wurde zum praktischen Prüfungsteil geladen. „Seit der Termin feststand habe ich jeden Feierabend und jedes Wochenende dazu genutzt, um am Phantomkopf in der Praxis zu üben“, erzählt Amna Dzebo, „meine Kollegen und auch mein Chef lobten meine Arbeit am anderen Tag jedes Mal sehr, doch ich wollte ein Feedback während meiner Arbeit“. Per Zufall hat sie auf Facebook ein Bild von Michel Dörr gesehen wie er im FIA-Schulungszentrum für Zahnmedizin steht. Da sei ihr sofort klar gewesen, dass sie an seinem Kurs teilnehmen will. „Ich hatte mit der FIA ja schon einmal sehr positive Erfahrungen gemacht, und das Angebot, dass man unter realen Praxisbedingungen lernen kann, hat mich überzeugt“, so die 29-Jährige. Von ihrem Chef bekam sie für die zwei Wochen, die der praktische Kurs dauert, frei. „Eigentlich waren die fünfzehn Plätze schon belegt, aber die FIA hat alles dafür getan, dass ich trotzdem mitmachen konnte“, berichtet Amna Dzebo, „dafür bin ich sehr dankbar.“ Ohne die intensiven praktischen Lerneinheiten, die individuelle Betreeung und die vielen Tipps, die sie bekommen habe, hätte sie die Prüfung nicht so gut bestanden, sagt sie. „Jetzt hat ein Dozent mich während meiner Arbeit beobachtet und sofort gesagt, was ich besser machen kann, das war extrem hilfreich.“ Und so sei sie optimal vorbereitet in die fünfstündige praktische Prüfung gegangen, die sie erfolgreich bestanden hat, weshalb sie zum mündlichen Teil zugelassen wurde. Diese weitaus kürzere Prüfung fand im Februar dieses Jahres statt und hat Amna Dzebo ebenfalls auf Anhieb bestanden. Nun hat sie ihre Approbation und ist als Zahnärztin in Deutschland anerkannt, doch am Ziel ist die ehrgeizige Frau noch lange nicht: „Ich möchte mich spezialisieren und irgendwann vielleicht meine eigene Praxis haben.“

Text: Barbara Meyer, Foto: Michael Riemann